pyramidale 8
voice summit
pyramidale 7
pyramidale 6
pyramidale 5
pyramidale 4
was eigentlich ist zu erwarten
pyramidale 3
ZeitZeichen
pyramidale 2
agieren - reagieren
schauplatz N.
fixed points - flurry of lines


Das ensemble p i a n o p l u s widmet sich ausschließlich der neueren Musik in Verbindung mit Live-Elektronik und/oder Tonband. Ausgehend vom Klavier wird die Besetzung je nach Programm um die benötigten Instrumente erweitert. Des öfteren gibt es auch Berührungspunkte zur Bildenden Kunst und zum Musiktheater. Ein wichtiger Bestandteil der Aufführungen ist ein präzises, klanglich differenziertes Wiedergabekonzept, das mit mehreren, inhomogenen Schallquellen arbeitet und auf die raumakustischen Gegebenheiten des jeweiligen Aufführungsortes immer wieder neu abgestimmt wird.

Seit 2002 veranstaltet das ensemble p i a n o p l u s gemeinsam mit dem Ausstellungszentrum Pyramide in Berlin-Hellersdorf das interdisziplinäre Kunstereignis PYRAMIDALE.



Pauken und Trompeten sind Instrumente der Macht. Wann immer sie erklingen - ob als Signal bei Ankündigung einer Majestät, als festlich-erhabene Umrahmung eines wichtigen gesellschaftlichen Ereignisses oder zum Lobe Gottes wie in Bach´s Kantate „Tönet, ihr Pauken, Erschallet, Trompeten“ - es ist immer auch Achtung, Ehrfurcht, Unterwerfung gemeint. Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass diese beiden Instrumente (sowie ihre abgeleiteten Formen) eine beeindruckende Lautstärke erzeugen können.

Doch manchmal ist die Macht hohl und der erhabene Schall gerät zum leeren Getöse, der erträumte Triumph wird zum peinlichen Desaster. Man kann mit Pauken und Trompeten durchfallen, abtreten, untergehen... Man kann mit Pauken und Trompeten aber auch einfach nur Musik machen.

Die pyramidale 8 zeigt sich 20 Jahre nach dem Mauerfall mit einem umfangreichen Programm, das sich - ausgehend vom Motto - vorwiegend auf die Besetzung Blechbläser und Schlagzeug stützt. Dabei werden in den Konzerten und Performances alle Facetten der Deutung berührt. Ernst und Ironie, Tragik und Komik scheinen in den musikalischen Strukturen auf und regen zu vielfältigen Reflexionen über die vergangene und die gegenwärtige Situation an.

Erstmalig zeigen wir im Rahmen der pyramidale 8 auch einen Film: Viva! La Banda dukumentiert auf unterhaltsame Weise die uralte Tradition der "Banda" (Blaskapellen, die durch die Dörfer Italiens ziehen), die heute noch so lebendig ist wie vor 100 Jahren.

Wie auch in den zurückliegenden Jahren sollen interessante und ungewöhnliche Höreindrücke vermittelt werden. So findet z.B. ein Teil des Konzertes am 3. Oktober im weitläufigen Innenhof des Bezirksamtes statt, der an das Ausstellungszentrum Pyramide grenzt und der akustisch differenzierte Fern- und Echowirkungen zulässt. Eine Trommelperformance auf westafrikanischen Originalinstrumenten lenkt den Blick / das Ohr in eine unerwartete Richtung. Auch ist vorgesehen, die Pyramidenspitze in diesem Jahr zu bespielen: elektroakustische Kompositionen sollen über eine 12 Lautsprecher umfassende Installation wiedergegeben werden, die nicht nur horizontale, sondern auch vertikale Bewegungen abbilden kann. Die Lautsprecherinstallation wird auch nach der pyramidale 8 für weitere Konzerte mit elektroakustischer Musik genutzt.

Darüber hinaus haben viele der Werke performative Komponenten und überschreiten die Grenze zum Musiktheatralischen.

Unter den aufgeführten Werken gibt es sieben Uraufführungen, die eigens für die pyramidale 8 geschrieben wurden.

Der zweite Tag des Festivals beginnt, wie im vergangenen Jahr, bereits am Hackeschen Markt im Zentrum Berlins mit einem Konzert in der Straßenbahn - der TRAMOPHONIE. Während der ca. 50 Minuten dauernden Fahrt zum Ausstellungszentrum Pyramide sind elektroakustische Kompositionen, Texte sowie Kinderlieder aus der ehemaligen DDR zu hören.


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02./ 03. Oktober 2009

PYRAMIDALE 8 -
mit pauken und trompeten

NEUE MUSIK | PERFORMANCE| FILM | TRAMOPHONIE





Freitag, 2. Oktober 2009 / 19.00 Uhr
Ausstellungszentrum Pyramide


H Ö R E N und S E H E N

Eröffnung der Lautsprecherinstallation mit elektroakustischen Miniaturen aus:
X mal 30 Sekunden Originalton Hellersdorf-Marzahn

max e. keller
grillen
für blechbläserquintett UA

elena mendoza
contextos-juegos
for solo trombone

johannes wallmann
variationen 5  
für blechbläserquintett UA


viva! la banda - film von georg brintrup



Sonnabend, 3. Oktober 2009 / 17.00 Uhr

T R A M O P H O N I E

konzert in der straßenbahnpyramidale 8“
start am hackeschen markt
endhaltestelle große präsidentenstraße


thomas gerwin
feuer-werk 17
elektroakustische komposition

barbara kenneweg
susanne stelzenbach
zenter am rand

georg katzer
mein 1989
elektroakustische komposition

die heimat hat sich schön gemacht
kinderlieder aus der ehemaligen DDR

taymur streng
L-train UA
elektroakustische komposition



18.30 Uhr Ausstellungszentrum Pyramide

I N S I D E / O U T S I D E


lockruf I

samir odeh-tamimi
ja nári
für 3 blechbläser und schlagwerk

martin daske
foliant 14 
für posaune  solo

susanne stelzenbach
der könig kommt... und tritt ab
für zwei trompeten, pauken, triangel und muschelhorn UA

dieter schnebel
poem für 1 springer

friedrich schenker
kleine akademiemaschine  
für trompete und posaune nr. 2 UA


outdoor

fullmoon percussion ensemble

sebastian stier
fluchtlinien II
für 2 trompeten UA

lockruf II


indoor


hermann keller
die öffnung der berliner mauer
aus der sicht des jahres 2089
für sprecher, blechbläserquintett
und schlagzeug UA

ralf hoyer
gelbes blech  
für horn, tuba, becken und zuspiel UA

georges aperghis
le corps a corps 

rainer rubbert
relations
für posaune und schlagzeug 

helmut zapf
post-ludum
für bläserquartett und schlagzeug  


Mitwirkende:

Ensemble BRASS INVENT
Friedemann Werzlau, Schlagzeug
Roland Neffe, Schlagzeug
Till Schwabenbauer, Dirgent
Tobias Dutschke, PercussionPerformance
Lydia Starkulla, Sprecherin
fullmoon percussion ensemble
Friedrich Schenker, Alphorn
Chor der Fredersdorfer Hortkinder
Leitung: Kristin Schulz

(Änderungen vorbehalten)



















Eine Produktion des ensemble p i a n o p l u s und des Ausstellungszentrums Pyramide, gefördert von der Initiative Neue Musik Berlin, dem Deutschen Musikrat, der GEMA-Stiftung und dem Landeskulturfond, mit freundlicher Unterstützung der Akademie der Künste und der Berliner Verkehrsbetriebe.








veranstaltungsort:
AUSSTELLUNGSZENTRUM PYRAMIDE
riesaer straße 94
12627 berlin-hellersdorf
tel. 030-902934132

U5 richtung hönow
bis hellersdorf
tram 6 und 18
richtung riesaer straße
2 stationen bis jenaer straße
oder 10 minuten fußweg





Ein weites Feld von klanglichen Facetten der Stimme öffnet dieses Programm. Das geht vom normalen Gesang über Werner Heiders pluralistisch-experimentellen Ansatz, der auch Geräusch und Phonetisches einbezieht, bis zur Erkundung verschiedener Klangräume im Werk von Susanne Stelzenbach, in denen die Sängerin ein vis-à-vis sucht, wobei das Zuspiel von Band ein Dialogpartner ist wie auch in den Werken von Nono und Bennett. Vielfältig sind auch die Texte: politisch engagiert im Klassiker von Nono, Bruchstücke von Friedrich Rückert bei Bruno Karrer, Comics in Stripsody, eigene Texte der Komponisten, eine Ballade von Bertolt Brecht bei Hünigen, mystische Visionen einer mittelalterlichen Nonne bei Sciarrino/Teepe. „Viadukt-Musik“ von Fabian Neuhaus, ursprünglich für den Eisenbahnviadukt in Rümlingen geschaffen, bringt auch die konkrete räumliche Dimension ein, ist andererseits eine Metapher auf die Begegnung von Kulturen und könnte so als Motto des ganzen Programms stehen. Solches Aufeinandertreffen verkörpern  nicht zuletzt die drei Sängerinnen aus drei Ländern, auch mit ihrem unterschiedlichen Temperament, dem Auftreten und der Werkauswahl, was ebenfalls für ein abwechslungs- und beziehungsreiches Programm sorgt. Es wird von zwei Triowerken umrahmt, in denen die Solistinnen zum Ensemble zusammenfinden und in denen zufälliges Zusammenklingen eine Rolle spielt. Im Schlußwerk, der Uraufführung einer Gemeinschaftskomposition von Max E. Keller (CH) und Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer (D), findet die Trinität der Interpretinnen zudem seine Entsprechung im Kompositionsprozeß.


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In Kooperation zwischen der Reihe musica aperta Winterthur und dem ensemble p i a n o p l u s Berlin


VOICE SUMMIT - 3 Soprane im Konzert

Katia Guedes (Brasilien/Berlin)
Monika Teepe (Nürnberg)
Kornelia Bruggmann (Siblingen CH)



Freitag, 28. August 2009, 19 Uhr
Galerie M
Mahrzahner Promenade 13
12679 Berlin-Marzahn
Tel.: 030-5450294

Samstag, 29. August, 20 Uhr
Herrenhaus Heinrichsruh
Künstlerhaus Vorpommern
17379 Heinrichsruh
Tel.: 039778-20607

Sonntag, 30. August 2009, 17 Uhr
Altes Rathaus
Am Alten Markt 9
14467 Potsdam
Tel.: 0331 / 289- 6338

Dienstag, 1. Sept. 2009, 20:30 Uhr
BKA-Theater (Unerhörte Musik)
Mehringdamm 34
10961 Berlin-Kreuzberg
Tel.: 030-2022007

Donnerstag, 22. Oktober 2009, 20:15 Uhr
musica aperta / Theater am Gleis
Untere Vogelsangstraße 3
CH-8401 Winterthur
Tel.: 0041-52-2141456




Programm:

John Cage
Trio aus Song Books (1970)
 
Luigi Nono        
La Fabricca illuminata (1964) für Gesangsstimme und Tonband

Ellen Hünigen             
Von des Cortez Leuten - Versunkene Landschaft VI (2006)
für Sopran und Tonband (Text: Bertolt Brecht)

Susanne Stelzenbach           
vis-à-vis (2000)  für Sopran und Zuspiel 
 
Cathy Berberian
Stripsody (1966)

Werner Heider        
Katalog für eine Stimme (1975)

Monika Teepe                         
Paraphrase über Infinito Nero von Salvatore Sciarrino  (2006) für Sopran

Fabian Neuhaus       
Viadukt-Musik (Version für 2 Soprane) (2000)

Bruno Karrer               
klingt es lange fort  (1992) für Stimme 

Gerald Bennett            
Diese Blätter wirst Du wohl etwas ... (1985) für Sopran und Tonband 
 
Giacinto Scelsi  
aus: Canti del Capricorno – 20 Gesänge für Frauenstimme (1962/72)
 
Susanne Stelzenbach, Ralf Hoyer, Max E. Keller
blau rot soft für 3 Soprane UA
 















- Anhalten und Fortfahren aus welchen Gründen, in welchem Kontext, mit welchen Konsequenzen auch immer sind zumeist alltägliche, ganz beiläufige Phänomene der Zeitgestaltung und Zeitwahrnehmung. Sie rahmen eine Pause, einen khürzeren oder längeren Stillstand. Wenn sie unüblich verlaufen oder planvoll inszeniert werden, dann kšnnen sie gerade der Phase dazwischen eine besondere Bedeutung verleihen, dann wird aus einem HALT ein aussergewöhnliches Ereignis. Im musikalischen Kontext haben solche Abläufe mit Gesten zu tun, sind möglicherweise sogar als Gesten zu beschreiben, und dies zunächst ganz allgemein im Sinne von bedeutungsvollen, besonderen Momenten oder auch Zäsuren, die in unterschiedliche Aktionsbereiche fallen. (Christa Brüstle)


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28. / 29. november 2008

PYRAMIDALE 7

stop & go



MUSIK| ELEKTRONIK |VIDEO |TRAMOPHONIE |PERFORMANCE



freitag, 28. november
ausstellungszentrum pyramide
19 uhr
violine + elektronik + video

mehmet can özer
reflections III
für violine, tape und live-elektronik

peter köszeghy
l’ecole du libertinage
für violine und live-elektronik

eduardo flores
lo doble y único
für violine, liveelektronik und video

max e. keller
hasten und warten UA
für violine und live-elektronik

johannes s. sistermanns
yorkn´ew
video

anette schlünz
zebra
für e-violine und live-elektronik

pause

lothar voigtländer
dialogue en cause
elektroakustische komposition
live-video steffen koch

alwynne pritchard
to the ground
für violine und tape

ralf hoyer
aufschlag
audiovisuelle komposition

andre bartetzki
string-theory
für violine und live-elektronik

lenka zupkova
glatteis
für e-violine, live-elektronik u. -video


ausführende

lenka zupková, e-violine und akustische violine
andré bartetzki, live-elektronik, live-video



samstag, 29. november
T R A M O P H O N I E
mit der straßenbahn linie PY 7
zur pyramidale
abfahrt hackescher markt
große präsidentenstraße
einstieg ab 16.45 uhr

ankunft
ausstellungszentrum pyramide
berlin-hellersdorf

16:45 uhr kommen sie
elektroakustische miniatur
entrée
abgefahrene improvisationen mit
johannes bauer (posaune)

17 uhr abfahrt

ralf hoyer
in fahrt (1) UA
elektroakustische komposition

17:04 uhr halt s+u-bahnhof
alexanderplatz gontardstraße

wegbeschreibung

thomas gerwin
e - scape no. 5 UA

17:17 uhr halt
s-bhf landsberger allee

arno lücker
beim klange der hörner
im grünen zu liegen
UA

wegbeschreibung

ralf hoyer
in fahrt (2) UA

17:35 uhr aufenthalt
s-bahnhof marzahn

helmut zapf
wandlungen
für posaune und zuspiel

17:50 uhr weiterfahrt

henry mex
geomusik-metrotram UA

wegbeschreibung

ralf hoyer
in fahrt (3) UA

18:10 uhr ankunft
ausstellungszentrum pyramide

ausführende

johannes bauer, posaune
thomas gerwin, percussion
henry mex, elektronik
torsten preußing, wegbeschreibung
georg morawietz, tontechnik


ausstellungszentrum pyramide
18:30 uhr

musikbrücke stop & go

ein integratives musikprojekt
mit behinderten kindern der
„schule am mummelsoll“

susanne stelzenbach & ralf hoyer
hör-spiel UA

max e. keller
in regen, blitz und donner UA

pause

19 uhr
musik + szene

gwyn pritchard
in passing
für flöte und marimbaphon

georg katzer
versuch über die wahre art
das akkordeon zu spielen auf
dem marktplatz von bourges
für akkordeon und zuspiel


PARTITUR PARCOURS
experimentelles musiktheater mit
miniaturen von
georges aperghis
paul barker
michael lentz
dieter schnebel
jürg wyttenbach
gerhard rühm
eckehard mayer

pause

gabriel iranyi
metaphor II
für octobassflöte, konzertflöte
und live-elektronik

johannes kreidler
dekonfabulation
für akkordeon, schlagzeug
und zuspiel

susanne stelzenbach
dizzy
für violoncello und zwei
sekundierende saxophone

johannes wallmann
moderabel 3
geschwungene linien für 4
instrumente

ausführende
ruth velten, saxophon
martin posegga, saxophon
agnieszka dziubak, violoncello
gerhard scherer, akkordeon
martin krause, schlagzeug
klaus schöpp, flöten
andré bartetzki, live-elektronik

partitur parcours
ulrike staude, sopran
thomas stechler, schauspieler
katja erfurth, tanz
florian mayer, violine
sylvia freitag, regie


künstlerische gesamtleitung
ensemble p i a n o p l u s
susanne stelzenbach und ralf hoyer


gefördert von der kulturverwaltung des landes berlin, vom deutschen musikrat sowie dem landeskulturfonds.
mit freundlicher unterstützung des elektronischen studios der akademie der künste berlin



veranstaltungsort:
AUSSTELLUNGSZENTRUM PYRAMIDE
riesaer straße 94
12627 berlin-hellersdorf
tel. 030-902934132

U5 richtung hönow
bis hellersdorf
tram 6 und 18
richtung riesaer straße
2 stationen bis jenaer straße
oder 10 minuten fußweg










fliehen vor eros? sinnlose mühe! wie kann ich entwischen, wo ich tappe zu fuß, er mich mit flügeln verfolgt.



innig ersehnte ich dich. da kamest du, wider verhoffen und verwirrtest mich tief, blendetest auge und geist.





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die erotik des kontrastes

zu den elementarsten gestaltungsmitteln in der kunst gehören kontraste: plötzliche schnitte ebenso wie changierende gegensätzlichkeiten, klare abhebungen vor diffusem hintergrund ebenso wie lange strecken nach kurzen, explodierenden ereignissen. kontraste sind an vergleiche gekoppelt. gepackt durch das faszinosum von extremsituationen wird die wahrnehmung sensibilisiert, geschärft, herausgefordert, angestachelt, gefesselt. dies geschieht häufig als initiations- und überraschungseffekt. kontraste erheischen blitzartige momente des aufmerkens und ein begehren danach, das sinnliche aufschrecken zu steigern: den kick nochmals erleben, nochmals den besonderen reiz wirken lassen. die erotik des kontrastes ist eine anziehungskraft aus der oszillation zwischen erschrecken und voyeurismus. eine mitte gibt es nicht. die vermittlung von kontrasten löst den konflikt in eine kontinuierliche diskontinuität auf, die langweilig wird oder aggressiv macht, im besten fall entsteht ein interessantes muster.

in der malerei kennt man kontraste von hell und dunkel, kalt und warm, simultan- oder sukzessivkontraste, kontraste der farbe-an-sich, komplementärkontraste, kontraste von qualität und quantität. die kontraste in der musik sind diesen vergleichbar, ausgedehnt in zeit und raum: langsam und schnell, kurz und lang, nah und fern, dicht und vereinzelt, tief und hoch, laut und leise, alt und neu im stil, in der form, in der dramaturgie... bis hin zu kontrastorchestern. die motive der setzung von kontrasten sind vielfältig: schrecksekunden und irritationen auslösen, lustempfinden anregen, inseln der seligkeit herstellen, brüche erzeugen und perspektivenwechsel ermöglichen, symmetrien oder musterbildung aus kontrasten gestalten, konflikte heraufbeschwören, vexierbilder anlegen, durch extrembildungen eine mitte vermeiden, die erst in der phantasie produktiv wird. immer entstehen aus den polarisierungen in der wahrnehmung neue qualitäten, die mitunter kaum glaubhaft scheinen. vor allem gegensätze, die sich anziehen, liefern elektrisierende reibungsflächen mit unvorhergesehenen entladungen.

(christa brüstle)


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13. / 14. oktober 2007

PYRAMIDALE 6

die erotik des kontrastes



MUSIK|PERFORMANCE|TEXT|INSTALLATION



sonnabend 13. 10. 2007
beginn 18.00


helmut lachenmann
gran torso

georg katzer
3. streichquartett

bernhard garbert
ordentliche kunst
vortragsinstallation

helmut zapf
rechenschaft UA
in der fassung lied für sopran und saxophon
text: wolfgang hilbig

michael hirsch
würgeengel-fragment UA
für cd, oboe, viola und horn

max e. keller
12-06-07 UA
für sopran, oboe, altsaxophon, horn und viola


20.00

friedrich goldmann
5 duos
für oboe und viola

stefan keller
1. streichquartett

susanne stelzenbach
haut UA
für streichquartett

helmut oehring
love in UA
für oboe, bariton-saxophon, horn, viola und cd-zuspiel

ralf hoyer | susanne stelzenbach
schreistück

daniel n. seel
dunkle freiheit UA
quartett für oboe, saxophon, horn und viola
mit lichtzwang


21.30

hermann keller
metamorphosen des eises UA
szenische aktion für präpariertes klavier und einen schauspieler
nach einem text von karl weyprecht

erhard grosskopf
night tracks (1972)
vierkanalige elektroakustische komposition


ausführende:

SONAR streichquartett berlin
susanne zapf, 1.violine
gregor dierck, 2.violine
nikolaus schlierf, viola
cosima gerhard, violoncello

claudia herr, sopran
karen lorenz, viola
meriel price, saxofone
simon strasser, oboe
noam yogev, horn

hermann keller, präpariertes klavier
karl kolb, aktion und schauspiel

lydia starkulla, agnes krempien, andreas edelblut
und eleftherios veniadis, stimmen
peter funken und albert markert, vortragsinstallation

max e. keller, moderation



sonntag 14. 10. 2007
18.00

MITTELALTER | GEGENWART

anonym
requiem aeternam (9. jh.)
perotinus
deus misertus / mundus ovans (um 1200)
perotinus
alleluia - nativitas gloriose (um 1200)
anonym
veri floris sub figura (um 1220)


lothar voigtländer
salmo salomonis
für englisch horn


EROTISCHE MINIATUREN
für die pyramidale 6 und
das ensemble VOX NOSTRA komponiert

martin daske
ardent UA

thomas gerwin
köstlich schmecken die küsse europas UA

mayako kubo
a letter of mr. p UA

gwyn pritchard
luchnos UA

friedrich schenker
böser traum und ostererwachen UA


mehmet can özer
nefs UA
elektroakustische komposition


anonym
psalm 113
in exitu israel
(im tonus peregrinus)
hildegard von bingen
o jerusalem
anonym
pater noster (um 1220)
perotinus
mors (um 1200)
anonym
vexilla regis prodeunt (10. jh.)


ralf hoyer
five spaces for six voices UA

alvin lucier
six geometries


ausführende:

VOX NOSTRA
amy green - sopran
allegra silbiger - mezzosopan
ellen hünigen - alt
burkard wehner - tenor
jens bauditz - bariton
werner blau - bass
musikalische leitung: burkard wehner

simon strasser, englischhorn


künstlerische gesamtleitung
ensemble p i a n o p l u s
susanne stelzenbach und ralf hoyer


gefördert von der kulturverwaltung der landes berlin, der intitiative neue musik berlin, vom deutschen musikrat sowie dem landeskulturfonds.
mit freundlicher unterstützung des elektronischen studios der akademie der künste berlin



veranstaltungsort:
AUSSTELLUNGSZENTRUM PYRAMIDE
riesaer straße 94
12627 berlin-hellersdorf
tel. 030-902934132

U5 richtung hönow
bis hellersdorf
tram 6 und 18
richtung riesaer straße
2 stationen bis jenaer straße
oder 10 minuten fußweg







...er betritt im osten die stadtteile marzahn und hellersdorf, die in schöneberg und wilmersdorf unbekannter waren und ferner lagen als montevideo. (horst köhler, bundespräsident - aus der laudatio auf wolfgang büscher zum ludwig-börne-preis 2006)




















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am verschwinden des menschen arbeiten viele der besten gehirne und riesige industrien. der konsum ist die einübung der massen in diesen vorgang, jede ware eine waffe, jeder supermarkt ein trainingscamp. (heiner müller, leipzig,1998)






































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PYRAMIDALE 5 - individuum



NEUE MUSIK|FOTOINSTALLATION|PERFORMANCE|FEUERWERK

inside | outside

im ausstellungszentrum PYRAMIDE
riesaer straße 94
12627 berlin-hellersdorf
tel. 030-902934132

sonnabend, 2. dezember 2006

beginn 18.00uhr



im osten berlins an der peripherie des berliner stadtbezirks marzahn-hellersdorf, der mit fast 200 000 einwohnern größten plattenbausiedlung europas, findet in diesem jahr zum 5. mal das interdisziplinäre kunstfest PYRAMIDALE statt. unter dem thema individuum werden an einem ca. 4-stündigen abend in konzerten, performances sowie fotoinstallationen unterschiedliche künstlerische handschriften ihre individualität behaupten. pausen zwischen den konzertblöcken bieten die möglichkeit über grenzen und möglichkeiten individueller denk- und wirkungsweisen zu reflektieren. erstmals wird auch der benachbarte, weitläufige hof des bezirksamtes bespielt: mit einem blechbläserquintett und feuerwerk gibt es outside eine etwas andere einstimmung auf den 1. advent.


inside
18.00 uhr Eröffnung
individuum artifiziell

Teil 1

kurt dietmar richter
monodrama
für einen percussionisten (1987)

istvan szigeti
ritornelli
für flöte solo (1976)

helmut zapf
randspiele
für schlagzeug und live-elektronik (2006) UA

thomas gerwin
schlag-werk
für schlagwerk und live-elektronik (2006) UA

friedrich goldmann
3 strophen
für klarinette und violine (2001)

max e. keller
food
für einen percussionisten (1999)


19.00 uhr
axel sommer
zu den fotos und fotoinstallationen
von andreas rost und joachim seinfeld


19.30 uhr
individuum artifiziell

Teil 2

arno lücker
ich [...] nicht
für flöte/klarinette(b), violine, viola, violoncello (2006) UA

arne sanders
musik und schöns blümelein
für flöte und streichtrio (2006) UA

susanne stelzenbach
jagen.stille
für altflöte, klarinette und streichtrio (2006)UA

georg katzer
streichtrio (2005)


_______________________________________________

20.30 uhr
individuum theatralisch


tom johnson
misserfolg
ein sehr schwieriges stück für kontrabaß solo (1975)

susanne stelzenbach & ralf hoyer
CHIMÄRE
komposition für 3 stimmen,
schlaginstrumente und 3 cd-player
nach einem text von federico garcia lorca (2006)


________________________________________________

21.30 uhr
outside
miniaturen | feuerwerk


ralf hoyer: nach draußen UA
hannes zerbe: choral con moto UA
gabriel iranyi: fragment UA
noam yogev: equale oblique UA
h. johannes wallmann: refrain UA


inside
individuum expressiv


friedrich schenker
metall! metall! eisenmann - der meister mit dem hammer


________________________________________________

mitwirkende

gerd schenker (leipzig), schlagzeug

modern art quintett berlin
klaus schöpp, flöte
unolf wäntig, klarinette
theodor flindell, violine
jean-claude velin, viola
anna carewe, violoncello

matthias bauer, kontrabass

ensemble leitundlause
claudia herr, stimme
lydia starkulla, stimme
mariel jana supka, stimme
matthias rebstock, regie

boreas-ensemble
nikita istomin, trompete
vit polak, trompete
stefan most, horn
florian juncker, posaune
thomas vogel, tuba

max e. keller, moderation
udo liedtke, pyrotechnik

künstlerische gesamtleitung
ensemble p i a n o p l u s
susanne stelzenbach und ralf hoyer









Mit einem neuartigen, voll-elektronischen Blasinstrument gibt Julean Simon seinen musikalischen Kommentar zum sogenannten "drei-körper-problem", also der Schwierigkeit, die Bewegung von drei voneinander abhängigen (Himmels)körpern zu berechnen. Roswitha von den Driesch & Jens-Uwe Dyffort beschäftigen sich in ihrer audio-visuellen Installation mit der Sehnsucht nach einem noch nicht vom Menschen betretenen, offenen Ort, um diesen zu besetzen. Die von Ralf Hoyer & Susanne Stelzenbach im Raum verspannten Drahtseile erzeugen mit ihren feinen Schwingungen einen eigenen, assoziativen Kosmos.

John Cage übertrug für Atlas Eclipticalis Sternenkarten auf zufällig platzierte, transparente Notensysteme. Im Konzert ist so die Zeit proportional der horizontalen Entfernung, die Tonhöhe proportional der vertikalen Entfernung der Sterne voneinander und die Lautstärke der einzelnen Töne proportional der Größe (also der Helligkeit) der Sterne. Durch die Simultanaufführung mit Winter Music ergibt sich eine Art musikalisches Zweigestirn - gleichermaßen in zwei Objekte separiert wie durch starke innere Kräfte so aufeinander bezogen, daß sie als eines wirken. Die Albedo, ein Maß für den Lichtrückwurf eines nicht selbst leuchtenden Himmelskörpers, ist die bestimmende Größe in Helmut Zapfs gleichnamiger Komposition für Solo-Flöte. Friedrich Schenker greift in seiner Uraufführung auf Jean Paul zurück und filtriert daraus einen eigenen Kosmos aus Gedanken und Begriffen. Marc Sabat und Wolfgang von Schweinitz arbeiten in ihren Kompositionen mit der reinen Stimmung, die unseren Ohren heute befremdlich klingen mag, die aber durch ihre - auf Pythagoras zurückgehende - klare geometrische Grundlage auch eine Brücke zu den Anfängen astronomischer Berechnungen bildet. Planetenbahnen waren bereits mehrfach kompositorische Grundlage für Henry Mex, der sich in seiner Uraufführung für die Pyramidale speziell den Planetenzwischenräumen in unserem Sonnensystem widmet. Die Uraufführung von Ulrich Krieger sucht auf andere Weise musikalische Metaphern für den gekrümmten, endlosen, aber nicht leeren Raum. Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer greifen Details aus „ihrer“ 2001 entstandenen Space Odyssey auf und entwickeln diese unter Einbeziehung der aufgebauten Klanginstallation zu einer neuen musikalischen Form. In seinem eigens für die Pyramidale entstandenen musikalischen Spiel- und Selbstorganisationssystem umspannt H.Johannes Wallmann das Publikum und schafft differenzierte Gleichgewichte zwischen Klang und Stille vor dem Hintergrund der großen Ruhe eines unendlich weiten Raumes, der, wie Olivier Messiaen es einmal nannte, die „große kosmische Aktivität Leben“ in sich trägt.

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PYRAMIDALE 4 - kosmos

klanginstallation / video /
astrophilosophischer diskurs / komposition




Die Vorstellung, Kosmos und Musik verfügten über eine gemeinsame harmonikale Grundlage, prägte die europäische Musikanschauung über einen langen Zeitraum hinweg. Mit dem Mythos, Musik sei tönendes Abbild einer kosmischen Ordnung, die ihrerseits nach musikalisch- harmonischen Prinzipien geschaffen sei, was auch jeder kompositorische Schaffensakt eine Wiederholung des wesentlichen kosmogonischen Akts: der Erschaffung der Welt. Komposition entfaltete von Anfang an vor diesen Hintergrund ihre ästhetische Wirksamkeit... (Rolf W. Stoll)


Freitag, 25. November 2005 / 19.00 Uhr
Eröffnung der Klanginstallationen
Performance


Sonnabend, 26. November / 19.00 Uhr
Konzert / astrophilosophischer Diskurs

Ausstellungszentrum Pyramide
Berlin-Hellersdorf
Riesaer Straße 94
12627 Berlin

Tel.030-902934131



Programm

Freitag, 25. November 19.00Uhr

Eröffnung der Klanginstallationen


Roswitha von den Driesch & Jens-Uwe Dyffort
Missing Mars


Ralf Hoyer & Susanne Stelzenbach
Tension


Einführung: Christa Brüstle (FU-Berlin)

Performance
Julean Simon
3koerperbeziehungen - stueck fuer blas-elektrik




Sonnabend, 26. November 19.00Uhr

John Cage
Atlas Eclipticalis / Winter Music

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astrophilosophischer Diskurs 1

Helmut Zapf
Albedo
für Flöte, Zuspiel und Live-Elektronik

Friedrich Schenker
Sterndeuter Musik mit Jean Paul
für Sopran, Klarinette und Posaune UA

Marc Sabat
Duas Quintas
für 2 Violinen
aus "Les Duresses: a book of music"


Wolfgang von Schweinitz
des Himmels Höhe glänzet
für Sopran und zwei Violinen
in reiner Stimmung op. 44

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Henry Mex
Transplanetaria
für 4-Kanal-Tonband UA

astrophilosophischer Diskurs 2

Ulrich Krieger
Star Chaser
für Flöte, Klarinette und Saxophon UA

Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer
Mare Crisum II
für Sopran, Altsaxophon, Bassklarinette
und Klanginstallation UA

Johannes Wallmann
Variationen 4 IM FUNKELN DER STERNE
für 6 Instrumente UA




Mitwirkende:
Ksenija Lukic, Sopran
Anais Chen, Violine
Susanne Stelzenbach, Klavier
Erik Drescher, Flöte
Ulrich Krieger, Saxophone
Marc Sabat, Violine
Friedrich Schenker, Posaune
Christian Vogel, Klarinetten
Ekkehard Windrich, Violine
Ralf Hoyer, Klangregie

Moderation / astrophilosophischer Diskurs
Franz Michael Maier (FU-Berlin)

Konzeption und Gesamtleitung
ensemble p i a n o p l u s
(Änderungen vorbehalten)





















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r e l o a d e d :


was eigentlich ist zu erwarten ?



am 11.10.2004 / 22.00.Uhr / Palast der Republik




Konzertprojekt
für Klavier, Posaune, Live-Elektronik und Videoprojektion
mit kritischen Kompositionen aus der Blütezeit des Palastes der Republik


In den letzten zehn Jahren der real existierenden DDR gab es eine sehr lebendige, phantasievolle und kritische Neue-Musik-Szene mit engen Verbindungen zur Literatur, zur Bildenden und Darstellenden Kunst. Es entstanden eine Reihe von Stücken mit theatralischen und multimedialen Komponenten, die oft in ironischer Weise Zustände und Befindlichkeiten auf den Punkt brachten und damit wichtig für das Selbstverständnis kritischer Intellektueller wurden. Kurioserweise gehörte das kleine “Theater im Palast“ zu den Spielstätten, die immer wieder auch solche Aufführungen bis zu einem gewissen Grade ermöglichten - in der Regel fanden im Palast der Republik Veranstaltungen mit staatstragendem Charakter statt.

Nach einer Szene für Solo-Posaune mit dem Titel "weggeschwunden II - Zeiten" (Uraufführung) greift das ensemble p i a n o p l u s solche Stücke auf, die an die Grenze dessen gingen (und sie gelegentlich auch überschritten), was politisch eben gerade noch geduldet wurde. Freilich wurde seitens der offiziellen Kulturpolitik peinlichst genau darüber gewacht, dass die Zahl der Rezipienten und damit die öffentliche Wirksamkeit gering blieb.

Doch sind weder Nostalgie noch Weltschmerz die Gründe für ein solches revival, vielmehr geht es um die Konfrontation der ausgewählten instrumental-theatralischen Kompositionen aus den 80ern mit dem veränderten Palast und dem veränderten Publikum.

gefördert durch die GEMA-Stiftung, mit freundlicher Unterstützung der Akademie der Künste
und des Deutschen Rundfunkarchivs Babelsberg


ensemble p i a n o p l u s

Susanne Stelzenbach, Klavier
Friedrich Schenker, Posaune/Stimme
Ralf Hoyer, Tonregie/Live-Elektronik

Moderation Prof. Dr. Günter Mayer



Programm:
(Dauer ca. 80 min.)



Als Auftakt:
Susanne Stelzenbach
weggeschwunden II - Zeiten
Szene für Soloposaune (2002/ UA)


Ralf Hoyer:
...ich war‘s ich bin‘s...
Erkundungen zum Thema Prometheus
für Klavier, Tonband und Live-Elektronik (1982)


Georg Katzer:
Ballade vom zerbrochenen Klavier
für Klavier und Tonband (1984)


Ralf Hoyer:
Allgemeine Erwartung
szenische Kammermusik für zwei Klaviere und einen Schauspieler nach einem Text von Volker Braun (1980)

Filmische Umsetzung 1984 / Redaktion: Rolf Gerlach Regie: Christof Enderlein / mit Jörg Gudzuhn (Schauspieler), Susanne Stelzenbach (Klavier) und Thomas Just (Klavier) / Produktion des Fernsehens der DDR


Friedrich Schenker:
Missa nigra
Version für einen Posaunisten mit Stimme (1978/1996)

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Im Anschluss an das Konzert Diskussionsrunde mit

Prof. Dr. Günter Mayer (Musikwissenschaftler)
Christof Enderlein (Filmregisseur)
und den Komponisten
Ralf Hoyer, Georg Katzer und Friedrich Schenker



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Zu den Werken:

weggeschwunden...in der Erinnerung an ein altes Deutsches Volkslied gerät der Posaunist auf eine Mini-Odyssee...ich weiß nicht was soll es...ein Märchen...aus dem Sinn...im Abendsonnenschein? (2002 für Friedrich Schenker komponiert)

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..ich war‘s ich bin‘s... Erkundungen zum Thema Prometheus für Klavier, Tonband und Live-Elektronik entstand 1982 und war eines von zahlreichen Auftragswerken des Kulturbundes der DDR an Bildende Künstler, Dichter und Komponisten, die sich zum Goethejahr 1982 mit Prometheus auseinandersetzen sollten. Die Ergebnisse aber entsprachen wohl nicht ganz den Vorstellungen der Initiatoren: die erste Präsentation fand nun ohne das Fernsehen statt, die geplante Tournee des gesamten Projektes durch alle Bezirke der DDR wurde abgesagt. Gleichwohl waren einzelne Aufführungen des Stückes möglich, es war eine der ersten Arbeiten in der damaligen DDR, die als Kammermusik mit Zuspielband und Live-Elektronik arbeiteten. Mit einem eigens im Studio des Palastes der Republik entstandenen Video des Grafikers Dietrich Brüning, der kurze Zeit später einen Ausreiseantrag stellte, wurde dieses Stück in einem Jugendkonzert im Palast 1984 aufgeführt. Mit einer Collagetechnik, die u.a. das altgriechische Trinklied des Seikilos und Trivialmusik verarbeitet, erzählt dieses Stück vom Streben der Menschen nach Harmonie, das einerseits immer Gefahr läuft in Selbstzufriedenheit zu versinken, andererseits stets aufbrechende, weiterführende Veränderungen erfährt... (Ralf Hoyer)

„denn es ist so, dass die prometheischen Möglichkeiten der Menschen sich gegen sie kehren lassen und dass die Menschen in ihrer Manipulierbarkeit die Gefahren solcher modernen Pandorabüchsen verkennen. Davon reden, davor warnen letztendlich die Stimmen vom Tonband mit Texten Uwe Bergers, Heinz Czechowskis, Günter Rückers und Volker Brauns. Am Ende bleibt die Frage jedoch offen, in wieweit derartige Aufklärungen fruchten und was dafür die schönen Früchte der Kunst zu leisten vermögen. Die ungerührte Penetranz einer klassischen Melodiefloskel lässt Skepsis angebracht sein...“ (Frank Schneider 1986)

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Ballade vom zerbrochenen Klavier für Klavier und Tonband (1983)
Die Idee zu der Komposition kam mir bei einem Spaziergang: Im Wald entdeckte
ich die Ruine eines Klaviers. Die surreale Situation, wie in einem Bild von
Max Ernst, machte machte nachdenklich. Stand das traurige Wrack nicht da als ein Symbol? Wie geht der Mensch, wie die Gesellschaft um mit Musik, tun wir recht daran uns von ihr "in eine bess´re Welt" entrücken zu lassen, wie Schubert, seinem Dichter Schober folgend, uns empfiehlt? Darüber reflektierend entstand ein Text, den ich komponierte. Er kommt teils vom singenden, sprechenden Pianisten, teils vom Band, auf dem auch die faszinierenden Klänge gespeichert sind, die sich dem moribunden Instrument noch entlocken ließen. Die letzten Seufzer und Aufschreie des von Spaziergängern gepeinigten Musikmöbels wurden allerdings dann weiter bearbeitet im elektronischen Studio des TIP (Theater im Palast, Berlin) unter Mithilfe des Tonmeisters Eckhardt Rödger. Die Verwendung des Brecht-Zitats " laßt uns singen - auch in finstern Zeiten" hat mir damals,1983 nach derUraufführung durch Gerhard Erber, einen drohenden Zeigefinger der Kulturobrigkeit eingebracht. Den Finger gibt es jetzt nicht mehr, aber ich habe das Gefühl, das Stück ist immer noch aktuell, auch in nicht ganz so finstern Zeiten.(Georg Katzer)

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Die Aktion für zwei Klaviere und Schauspieler Allgemeine Erwartung zu einem Text von Volker Braun entstand 1980 und wurde im Rahmen des Volker Braun Abends Nr.2 am Berliner Ensemble mit Ekkehard Schall uraufgeführt. Im Text verarbeitet Volker Braun auf seine Art die Worthülsen und Parteilosungen dieser Zeit und legt sie einem Arbeiter in den Mund, der sich an seiner Maschine „gedanken macht... bis wir unseren blinden Glauben ablegen wie pampige Zeitungen und fragen: was eigentlich ist zu erwarten?“. Das Stück ist mehrfach aufgeführt worden und es war immer gefährdet. Die Ausstrahlung einer Fernsehaufzeichnung, die im Zusammenhang mit einer Aufführung zu den DDR-Musiktagen 1984 unter abenteuerlichen Bedingungen entstand, wurde verboten. Als Komponist einen Mitschnitt zu erhalten war unmöglich, man fürchtete offenbar eine illegale Weiterverbreitung. Im Sommer 1989 wurde das Stück schließlich für die Schallplatte in der Lucaskirche Dresden mit Jörg Gudzuhn und den beiden Pianisten Susanne Stelzenbach und Thomas Just aufgenommen, doch zu einer Veröffentlichung kam es nicht mehr.
Formal greift das Stück die alte Gattung des Melodrams wieder auf, kompositionstechnisch gehen viele Details auf Pierre Boulez und Karlheiz Stockhausen zurück, mit deren Schriften ich mich seinerzeit sehr auseinandergesetzt habe. (Ralf Hoyer)

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Als 1978 die USA-Regierung mit dem Bau der Neutronenbombe eine neue Runde des Wettrüstens einleitete, entwarf Schenker ein Proteststück: »Missa nigra«. Die Absicht fand die Billigung der Behörden, bis sie bemerkten, dass Schenker nicht nur die amerikanischen Bomben ablehnte, sondern Kriege und Wettrüsten überhaupt für Wahnwitz hielt. Das ging manchem zu weit. Das musikalische Establishment der Stadt Leipzig lief Sturm gegen das Stück, seine Aufführung wurde verboten. Daraufhin gingen die Musiker zur SED-Kreisleitung und erkundigten sich, ob in der DDR jetzt die Kritik an Imperialismus und Krieg verboten sei, und der zuständige Sekretär holte die Verfassung der DDR heraus und konnte einen entsprechenden Paragraphen nicht finden. Also verbot er das Verbot, und eines Abends fand im Festsaal des Alten Rathauses diese Schwarze Messe gegen alle Kriege statt.
Niemand, der sie erlebte, wird sie jemals vergessen. Ein fahles Licht lag über der Szene. Dirigent Christian Münch betrat die Bühne und erschoss sich, um als Toter die Aufführung weiter zu leiten. Das Konzert ging in Theater über. Die Musiker erschienen in weißen gespenstischen Totengewändern mit eulenhaften Flügelmasken, die der Maler Hartwig Ebersbach geschaffen hatte, ein anderes enfant terrible der farbigen Leipziger Kunstszene. So führten die Toten der kommenden Kriege einen aberwitzigen Tanz auf dem Vulkan vor, mit dem Tod als Spielmeister. Am Ende knüpften die Toten selbst noch die Puppen ihrer toten Kinder am Galgen auf. Die das sahen, erschauerten unter dieser makabren Phantasmagorie. (Gerhard Müller)




















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PYRAMIDALE 3 - musik mathematik der gefühle

musik / fiktive dialoge / video / notation


py für home


Ausstellungszentrum Pyramide
Berlin-Hellersdorf
Riesaer Straße 94
12627 Berlin


Sonnabend, 23. Oktober 2004
Beginn 18.00 Uhr



An der Peripherie des Berliner Stadtbezirks Marzahn-Hellersdorf, der mit fast einer Viertelmillion Einwohner größten Plattenbausiedlung Europas, befindet sich das Ausstellungszentrum Pyramide. Hier hat sich in den letzten Jahren eine interdisziplinäre Veranstaltung, die PYRAMIDALE, etabliert: zu einem übergreifenden Thema kommuniziert zeitgenössische Musik mit anderen Kunstgenres und mit dem Publikum. Musik - Mathematik der Gefühle? Die scheinbar paradoxe Metapher wird zum Anlass genommen, dem Verhältnis von Rationalität und Emotion nachzuspüren - in Notation, Reflexion und klingendem Ereignis. Neben Klassikern der Moderne (Bartok, Scelsi, Xenakis) stehen ausschließlich Uraufführungen auf dem Programm.




PROGRAMM

Susanne Stelzenbach und Ralf Hoyer
ZeitZeichen
für 21 Instrumentalisten und 7 CD-Player

- - -

Dialog 1

short emotions I
für Streichquartett plus Saxophonquartett von:

Johannes K. Hildebrandt
Michael Hirsch
Ellen Hünigen
Herrmann Keller
Max E. Keller
Juliane Klein

Dialog 2

short emotions II

Ulrich Krieger
Sybille Pomorin
Kurt Dietmar Richter
Rainer Rubbert
Lothar Voigtländer
Helmut Zapf
Walter Zimmermann

- - -

Dialog 3

Bela Bartok
6. Streichquartett

Giacinto Scelsi
Aitsi - pour piano amplifie

Iannis Xenakis
XAS - für Saxophonquartet

- - -

Mitwirkende:

7 Solisten und 14 Schüler verschiedener Berliner Musikschulen

ATON - Saxophonquartett:
Martin Losert, Sopransaxophon
Ruth Velten, Altsaxophon
Christian Vogel, Tenorsaxophon
Alexander Darashkevich, Baritonsaxophon

Wangerin - Quartett:
Holger Wangerin, Violine I
Yulia Freidin, Violine II
Zhuo Lu, Viola
Sebastian Hartung, Cello

ensemble p i a n o p l u s:
Susanne Stelzenbach, Klavier
Ralf Hoyer, Live-Elektronik

Karl Kolb, Ella Zickerick (Darsteller)
Andrea Tralles, Myriam Hoyer (Darsteller / Regie)

Max E. Keller, Moderation




Materiell betrachtet ist Musik reine Mathematik - berechenbare Luftschwingungen, deren Frequenzen sich nach physikalischen Regeln überlagern. Doch für die Wirkung der Musik ist diese Tatsache unbedeutend. Anders als Malerei, Poesie oder Bildhauerei stellt Musik die Welt nicht dar. Ein Akkord bedeutet nichts konkretes, eine Melodie hat keinen eigentlichen Sinn und dennoch berührt Musik direkt, erzeugt Emotionen: Lachen, Weinen, Gänsehaut, Herzklopfen, Aggressionen, ein Kloßgefühl in der Kehle... Worin besteht der merkwürdige Zusammenhang zwischen Zahlen und Klängen? Wo liegen die Momente, in denen ein Konstrukt zu leben beginnt?

Das Projekt ZeitZeichen für 14 Instrumentalschüler und 7 Profimusiker versucht, das gemeinsame Musizieren von Meister und Schüler auf die Dimensionen eines Kammerorchesters zu übertragen, als ein Stück Neue Musik, als eine Entdeckungsreise, die alle Beteiligten auch für neue Aufführungsformen sensibilisieren soll. Die Komposition ist so angelegt, dass das Publikum die Entstehung eines Klanggebildes von innen heraus erleben kann. Die Aufstellung der Musiker folgt der Architektur des Ausstellungszentrum Pyramide, so dass es möglich ist, dieses Gebäude ganz mit Klang zu füllen. In den short emotions - eigens für die Pyramidale 3 entstandene Kompositionen von 2-5 Minuten Dauer für Streichquartett + Saxophonquartett - setzen sich 12 Komponisten mit zum Teil sehr unterschiedlichen Handschriften auf ihre Weise mit dem Thema Ausdruck und Konstruktion auseinander. Titel wie Kalkül und Emotion, 37a oder Splitter vom Blues des weißen Mannes zeigen die verschiedenen Ansätze in der Ausformung dieser Vorgabe ebenso wie die Notation der Stücke. Dazwischen gesetzte fiktive Dialoge ergänzen aus einer anderen Blickrichtung diesen Dualismus und eröffnen einen Reflexionsraum besonderer Art. Die Auswahl der Texte geht auf den im vergangenen Jahr in Göttingen verstorbenen Naturwissenschaftler Friedrich Cramer zurück, der in seinem Buch Chaos und Ordnung - über die komplexe Struktur des Lebendigen jedes wissenschaftliche Kapitel mit einem fiktiven Dialog begann und mit einem Gedicht abschloss. Die in einer dritten Sektion erklingenden Werke der klassischen Moderne belegen den Dualismus von Ausdruck und Konstruktion auf exemplarische Weise: Das 6.Streichquartett von Bartok erhält seine formale Klarheit durch eine unerhörte Verfeinerung klassischer Verarbeitungstechniken. Auffällig ist das vor jeden der Sätze gestellte, mit mesto (traurig) bezeichnete Thema, was die Umstände seiner Entstehung kennzeichnet: Bela Bartok komponierte sein sechstes und letztes Streichquartett 1939 in in der Schweiz - die sich ankündigende europäische Katastrophe vorausahnend - kurz vor seiner Emigration nach Amerika. AITSI von Giacinto Scelsi besteht aus 43 in unterschiedlicher Stärke angeschlagenen liegenden Einzeltönen oder Akkorden von 2 - 19 Sekunden Dauer, deren Beginn zumeist mit einem starken Verzerrer-Effekt belegt ist. Die hochdifferenzierten, präzise ausnotierten Nachklänge erscheinen wie schwebende, sphärische Erinnerungen aus einer anderen Welt, wenn sie plötzlich aus dem Geräusch heraustreten. Für XAS ist weniger die Tatsache, dass Iannis Xenakis der Komposition stochastische Algorithmen zugrunde legte erwähnenswert, als die großformale Struktur des Quartetts. Teile größter Ordnung alternieren mit solchen scheinbarer Unordnung, äußerlich erkennbar in der Schreibweise der Rhythmen, wie auch der Tonhöhen. Ein regelmäßiger Sechzehntelpuls wird immer wieder aufgegriffen und durch freie Passagen und Rhythmen höherer Ordnung unterbrochen.

Eine Veranstaltung des Ausstellungszentrums Pyramide, gefördert aus Mitteln des Landeskulturfonds, der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, dem Deutschen Musikrat sowie der Musikschule Mahrzahn-Hellersdorf.

Konzeption und Gesamtleitung des Abends: ensemble p i a n o p l u s









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ZeitZeichen




K O N Z E R T I N S T A L L A T I O N

für 21 Instrumentalisten und 7 CD-Player



Urauffürung am 23. 10. 2004 im Rahmen der PYRAMIDALE 3


Karin Puppe, Sarah Moncorps, Kathleen Wolter Flöte
Ulrich Krieger,Lucia Asar, Assunta Waldburg Saxophon
Martin Hülsen, Jakob Lieback, Malte Sieberns Trompete
Gerhard Scherer, Laura Sommer, Paula le Claire Akkordeon
Susanne Stelzenbach, Tim Breunung, Katherine Jung Klavier
Birgit Thiele, Tanja Swoboda, Annekatrin Ruß Violine
Ulrich Maiß,Constance Pfeifer, Bernardette Kleczka Cello



Das Projekt ZeitZeichen für 14 Instrumentalschüler und 7 Profimusiker versucht, das gemeinsame Musizieren von Meister und Schüler auf die Dimensionen eines Kammerorchesters zu übertragen, als ein Stück Neue Musik, als eine Entdeckungsreise, die alle Beteiligten auch für neue Aufführungsformen sensibilisieren soll. Die Komposition ist so angelegt, dass das Publikum die Entstehung eines Klanggebildes von innen heraus erleben kann.

Die Aufstellung der Musiker folgt der Architektur des Ausstellungszentrums Pyramide, es gibt keinen Dirigenten, die Koordination der musikalischen Ereignisse erfolgt über eine Video-Uhr. Eine korrigierende musikalische Leitung ist nur bei den gemeinsamen Proben nötig.

ZeitZeichen dauert ca.30 Minuten und gliedert sich in 7 Teile:

Landschaft I...............00:00 - 05:04
Stadt......................05:04 - 09:40
Regen......................09:40 - 12:20
im Sekundentakt............12:20 - 17:00
Sport......................17:00 - 19:26
Luftnummer.................19:26 - 22:38
Landschaft II..............22:38 - 30:24

Es gibt für jedes der vorgesehenen Instrumente drei separate Stimmen, die im Schwierigkeitsgrad abgestuft sind.

Darüberhinaus kommt in jeder Instrumentalgruppe ein handelsüblicher tragbarer CD-Player zum Einsatz. Darauf werden speziell vorbereitete Geräusch-CDs nach den genauen Angaben in den Noten eingestartet und geregelt. Im vorletzten Stück LUFTNUMMER werden Plastikschläuche zur Erzeugung von pfeifenden Luftgeräuschen verwendet.

Das Stück wurde realisiert von 7 Instrumentalsolisten und jeweils zwei ihrer Schüler, aus der Musikschule Leo Borchert, Steglitz-Zehlendorf, der Musikschule Paul Hindemith Neukölln, der Musikschule Marzahn-Hellersdorf und einer privaten Unterrichtsklasse.




















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PYRAMIDALE 2 - in der Zeit

MUSIK / BILD / TEXT / SKULPTUR / TANZ / PERFORMANCE


py für home


Ausstellungszentrum Pyramide
Berlin-Hellersdorf
Riesaer Straße 94
12627 Berlin


Sonnabend, 15. November 2003
Beginn 18.00 Uhr



Pyramide ist Sinnbild für die interdisziplinäre Struktur eines Abends mit zeitgenössischer Kunst, bei der verschiedene Künste, verschiedene Stile und Denkweisen zu einer gemeinsamen Spitze, der PYRAMIDALE zusammengeführt werden. Neben Musik- und Tanzperformances werden Bildende Künstler für nur einen Tag aktuelle Arbeiten ausstellen. Die beteiligten Künstler kommen vorwiegend aus Berlin, Gäste aus Köln, sowie aus Schweden und der Schweiz.




MUSIKALISCHES PROGRAMM

John Cage
Credo in US
für vier Spieler und Tanzperformance

Max E. Keller
Changements
für Tuba, Schlagzeug,
Klavier und Live-Elektronik
2003/UA

Susanne Stelzenbach
STAU
Hörbild für Stimmen, 3 Instrumente,
Tonband, Live-Elektronik und Tanz / UA

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Georg Katzer
L´homme machine
Einige Ansichten zum mechanischen Menschen... nach Lamettrie
für Kontrabaß / Stimme, Zuspiel und Elektronik

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pinx.(J.Struzyk/F.Werzlau)
Ge(H)nethischES
für Tuba und Schlagzeug

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Sound-Art-Clips
zum Thema 90 Sekunden Wirklichkeit
vorgestellt von Stefan Fricke

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Helmut Zapf
ach B
für Violine solo und elektroakustisches Zuspiel

Ralf Hoyer
in die Tiefe
für Tuba, Schlagzeug, Klavier und Live-Elektronik / UA

Hanna Hartman
Die Schrauben, die die Welt zusammenhalten
für Tonband und Tanz

Johannes Wallmann
Variationen II
Version für fünf Spieler


Mitwirkende: ensemble p i a n o p l u s und Gäste
Iris Sputh, Tanz/Stimme
Susanne Stelzenbach, Klavier
Janni Struzyk, Tuba
Susanne Zapf, Violine
Matthias Bauer, Kontrabaß/Stimme
Friedemann Werzlau, Schlagzeug
Ralf Hoyer, Tonregie und Live-Elektronik
Georg Katzer, Live-Elektronik
Max E. Keller, Moderation


BILD & MUSIK

Barbara Ehnold / Lothar Voigtländer
Jürgen Wagner / Thomas Wagner


SKULPTUREN
Tom Koesel: skulpturale Spracharbeiten
Lutz Beckmann: PEGASUS II



In der Zeit

Alle Beiträge dieses Abends verbindet mehr oder weniger, dass ihre Struktur sich in einem bestimmten Zeitablauf verwirklicht. Bei Musik und Tanz ist dies so selbstverständlich, dass der Hinweis darauf fast schon befremdlich wirkt. Aber auch Bilder, die zu Musik entstanden sind, symbolisieren den ihnen zugrunde liegenden Zeitablauf quasi in geronnenem Zustand, der nun in der Zusammenschau Gleichzeitigkeit suggeriert. So sind Arbeiten von Barbara Ehnold zu Musik von Lothar Voigtländer und von Jürgen Wagner zu Musik von Thomas Wagner auf der Galerie zu betrachten. Über Kopfhörer ist es möglich, der jeweiligen Musik zu lauschen. Eingefrorene Zeit findet sich auch in den Wortskulpturen von Tom Koesel - es bräuchte Zeit, würden sie gesprochen - oder in der Installation von Lutz Beckmann, in der die Bewegung des Pegasus als Momentaufnahme eines Start- Flug- oder Landeablaufs (oder des Versuches dazu) gedeutet werden kann. Darüber hinaus werden Themen der Zeit wie Gewalt, Einsamkeit oder Genmanipulation, sowie das Verhältnis zur Tradition oder zu den Medien in den einzelnen Beiträgen des Abends auf die unterschiedlichste Weise berührt.

John Cage fügt seinem Instrumentarium von Blechdosen, gedämpften Gongs, Tom-toms, einem elektrischen Summer sowie einem teilweise mit der Hand abzudämpfenden Klavier noch Klänge vom Radio oder Plattenspieler hinzu und liefert so einen witzig-hintergründigen Kommentar zu „seiner“ Zeit - in diesem Fall dem Jahr 1942. Ursprünglich trug das Stück den Untertitel Dramatic Playlet, dieser wurde nach der Uraufführung geändert in A Suburban Idyll. Max E. Kellers Changements arbeiten mit Übergängen und Farbschnitten zwischen den Klängen natürlicher Instrumente und der differenziert eingesetzten elektronischen Veränderungen derselben. Es klingt also nicht nur das was man sieht. Verführerische Verfälschung? Susanne Stelzenbachs Live-Hörbild STAU lässt an das regelmäßige Verkehrschaos zu Festtagen oder Ferienbeginn denken. Doch eben darum geht es hier nicht. Es ist eine andere Art von Stau, mehr in den Köpfen, der den individuellen Freiraum einengt und dort zu Chaos und Bewegungslosigkeit führen kann. Iris Sputh agiert hier nicht nur als Tänzerin, sondern auch als Sprecherin. Georg Katzers L‘homme machine - einige Ansichten zum mechanischen Menschen, vorgetragen von Lamettrie am 28. Februar 1748 im Schloss Sanssouci in Anwesenheit Sr. Majestät des Königs von Preußen - lässt zweifeln, ob der vielbeschworenen Fortschritt nicht nur Illusion ist. Die Irrungen klingen ähnlich wie heute, freilich auf technisch anderem Niveau. Ge(H)nethischES von pinx. ist ein instrumentales Theater, das den Assoziationen des Titels auf eigenwillige Weise nachgeht. Es entsteht eine Laborsituation aus geklonten Wort,schrillen musikalischen Strukturen,freien radikalen Rhytmen deren Performance aus Schauglasvitrinen schlußendlich den Betrachter hinterfragt.
Die nächste CD der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM) steht unter des Motto X mal 90 Sekunden Wirklichkeit. Das heißt, jedes Werk soll möglichst genau 90 Sekunden Dauer haben und sich auf die Wirklichkeit, den Lebens- oder Arbeitsraum, den Alltag beziehen - als Realitätssplitter, reduziert oder expansiv. Eine Auswahl dieser Werke wird hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In Helmut Zapfs ach B geht es um Beziehungsmomente und um Momente der Beziehungslosigkeit. Dabei ist mehr Zufall, dass die Komposition sich auf Bach bezieht, es könnte auch ein anderes Stück sein. Das b im Titel steht dabei also weniger für die Buchstabenverbindung Bach, als denn für Wörter wie beziehungslos, bedeutungslos, bewusstlos und bange, rein musikalisch aber doch mehr für so einen Begriff wie Brechungen. In die Tiefe von Ralf Hoyer scheint eine eindeutige Richtung vorzugeben, doch ist der Bezug in vielerlei Hinsicht offen. Hanna Hartmann verdichtet in ihrem Tonbandstück Geräusche aus einer Schraubenfabrik zu einem kompositorisch vielschichtigem Klanggebilde, dem die Tänzerin ein sehr persönliches Bewegungskonzept zur Seite stellt. Johannes Wallmanns Variationen II - aus leisen Gärten der Wildnis - ist ein musikalisches Kombinationsspiel für 3 bis 16 Musiker, das den Abend beschließt.

Eine Veranstaltung des Ausstellungszentrums Pyramide, gefördert aus Mitteln des Landeskulturfonds, der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, dem Deutschen Musikrat sowie der Stiftung PRO HEVETIA.

Konzeption und Gesamtleitung des Abends: ensemble p i a n o p l u s












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agieren - reagieren


im Rahmen der 12. LANGEN NACHT DER MUSEEN
agieren - reagieren / Dualismus der Moderne
am 31.8. / 22.00 - 24.00 Uhr in der Neuen Nationalgalerie Berlin


K o n z e r t I n s t a l l a t i o n

für Klavier, Elektronik, drei Videoplayer und Live-Kamera mit Kompositionen von Susanne Stelzenbach, Ralf Hoyer, Max E. Keller und Erwin Stache.


Susanne Stelzenbach, Klavier
Ralf Hoyer, Live-Elektronik, Ton- und Bildregie


Die unter dem Thema »RÄUME« präsentierte Sammlung mit Meisterwerken des 20. Jahrhunderts – vom Expressionismus über die amerikanische Farbfeldmalerei bis zur zeitgenössischen Medienkunst – bildet den Hintergrund für eine Performance des »ensemble pianoplus«. Ausgangspunkt dieser KonzertInstallation ist der für viele Lebensbereiche bestimmende Dualismus von Aktion und Reaktion. Einzelne Stücke verschiedener Komponisten und Videosequenzen werden zu einer durchgängigen Komposition verbunden. In den Gesamtablauf integriert sind Stücke von Ralf Hoyer, Max E. Keller, Erwin Stache und Susanne Stelzenbach. Konzentrierte Phasen wechseln mit freieren Abläufen, in denen die Zuhörer ihre Position im Raum verändern können, um das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.


Palindrom I/II
für Klavier und Live-Elektronik (Hoyer/Stelzenbach)

handmade
für drei Videoplayer und Inside-Piano (Stelzenbach)

agieren und reagieren
für Klavier und Live-Elektronik (Max E. Keller)

kämpfende Hände
für Klavier und Live-Kamera (Erwin Stache)

aufschlag
für drei Videoplayer und Tonband (Hoyer/Stelzenbach)



In Palindrom geht es um klangliche, zeitliche und strukturelle Spiegelungen von einzelnen Klaviertönen und komplexen Abläufen. Palindrome (griech. hin- und zurücklaufend) sind Wortspiele, Sätze die man vor- und rückwärts lesen kann. Es sind notwendigerweise sehr kunstvolle Gebilde, da trotz der einschränkenden Randbedingungen der darunter liegende Sinn nicht verloren gehen darf. Oft haben solche Sätze stark skurrilen Charakter. Ein griechisches Palindrom, eingemeißelt in den Stein eines Quellbrunnens in einem Klosterhof auf Kreta, ist beides: höchst artifizielles Wortspiel und gleichzeitig sinngebend für den Ort an dem es steht:

NIYON ANOMIMATA MI MONAN OYIN
(wasch ab deine Sünden, wasch nicht nur dein Antlitz).

Jedem der sieben Buchstaben dieser Zeile ist eine bestimmte Klavierstruktur zugeordnet, die bei Wiederholung der Buchstaben eine leichte Variation erfährt. Die Reihenfolge der Buchstaben ist beibehalten. Gleichzeitig liegt die gesamte Klavierstruktur rückwärts in vier einzelnen Tracks parallel. Zu hören sind jedoch nicht nur die invertierten Klavierklänge, vielmehr dient diese Struktur dazu, eine Vielzahl von unterschiedlichen, aus dem Klavier gewonnenen Samples anzustoßen. Trotz des relativ strengen Prinzips steht in diesem Stück das Klangliche im Vordergrund. Zur besseren Synchronisation zwischen Live-Klavier und der live realisierten Zuspielebene wird die Komposition anstatt aus einer Partitur direkt aus einem Computerdisplay gespielt.

Drei parallel laufende Video-Aufzeichnungen von Händen am Klavier sind für das Stück handmade bestimmend.
Ab und zu wird der Deckel des Klaviers bei getretenem Pedal zugeschlagen.Aus diesem Verhallen entstehen verschiedene live erzeugte Insidepiano-Klänge, die immer wieder durch die Klavierdeckelaktionen auf den Videos unterbrochen werden.Es sind Gesten des ständigen Beginnens und Beendens, die dem Stück seine eigentümliche Spannung verleihen.

In agieren und reagieren, eigens für das ensemble pianoplus komponiert, reagiert die Elektronik (verwendet wird hier ein einfacher aber sehrleistungsfähiger Klangumwandler, den auch viele Jazz- und Rockgitarristen verwenden) nicht nur passiv, sondern der Spieler agiert mittels des Geräts aktiv wie das Klavier, so dass musikalische Prozesse aus der gegenseitigen Rückkoppelung entstehen. Der Klavierpart schöpft aus einem Repertoire von sechs Grundfiguren, die reichhaltig abgewandelt werden. In sechs Abschnitten werden sechs verschiedene Arten der elektronischen Umformung mit speziell dafür entwickeltem Klangmaterial durchgespielt. Bei Reihenfolgen, Abständen, Lautstärken u.a. spielen die spontanen Reaktionen der Pianistin und des "Elektronikers" eine große Rolle. Die Dialektik von Mensch und Maschine wird somit erweitert durch das Wechselspiel der beiden Akteure, so dass ein komplexes Geflecht von Beziehungen entsteht.

kämpfende Hände ist ein Aktionsstück für einen Pianisten und eine auf die Tastatur gerichtete Live-Kamera. Der musikalische Verlauf ist hierbei ein Ergebnis der in einer Verbalpartitur beschriebenen Choreographie der beiden Hände, deren Bewegungen der Pianist über die Videoprojektion reagierend kontrolliert.

In aufschlag bilden Tischtennis-Spielgeräusche die Grundlage für den akustischen Verlauf. Gedanklicher Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass es ohne Bewegung kein Geräusch gibt und dass ein Musikinstrument eigentlich eine mechanische Vorrichtung zur Erzeugung sehr spezieller Geräusche (d.h. Töne oder Klänge) durch sehr spezielle Bewegungen ist. Bei sportlichen Betätigungen steht jedoch die zweckorientierte Bewegung im Vordergrund, die Geräusche entstehen quasi als "Abfallprodukt". In aufschlag geht es um die Entstehung von komplexen Rhythmen sowie Klang- und Geräuschqualitäten durch Überlagerung. Die auslösenden Spielaktionen und Verirrungen des Tischtennisballs sind auf den drei Videomonitoren zu verfolgen.



Sendung des Konzertmitschnittes vom 13.4.02 aus dem Theater am Gleis in Winterthur am 25.4.02 auf DRS 2 (Schweiz).

























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schauplatz N.



musikalisch-literarische Performance



Diese musikalisch-literarische Performance sucht auf verschiedene Weise die Verbindungen zwischen Ur-Lauten und musikalisch avancierten Ausdrucksformen herzustellen. Zwischen die einzelnen Musikstücke sind Texte gesetzt die geeignet sind, dem Zuhörer einen Assoziationsraum zu eröffnen, der über das Gehörte hinaus eine Sensibilisierung für Laute, Klänge und Geräusche in der Natur befördert.



Max E.Keller

agieren und reagieren (1998)
für Klavier und Live-Elektronik


Luigi Russolo

aus: Die Kunst der Geräusche (1916)


Susanne Stelzenbach

vis-à-vis (2000)
für Sopran und Tonband


John Cage

im Gespräch mit David Cope (1980)


John Cage

A Flower
Voice and Closed Piano (1950)


Ulrich Krieger

Rote Erde (1992)
für Tenor-Saxophon und Inside-Piano


Aribert Stampa

aus: Atem, Sprache und Gesang (1956)


Ralf Hoyer und Susanne Stelzenbach

Floreszenz I

für Sopran, Saxophon,
Digital-Piano und Live-Elektronik



Katia Guedes de Souza, Sopran
Christian Steyer, Sprecher
Ulrich Krieger, Saxophone
Susanne Stelzenbach, Klavier/Keyboard
Ralf Hoyer, Tonregie und Live-Elektronik


























zum Anfang


































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fixed points - flurry of lines



Innerhalb einer großen Performance treffen improvisierte und komponierte Musik aufeinander. Einige der komponierten Inseln sind eigens für dieses Konzert entstanden - die Reihenfolge der Stücke sowie deren improvisatorische Einfassung wurde im Probenprozess von allen Beteiligten entwickelt.

Kompositionen von Erhard Grosskopf, Johannes Bauer, Friedrich Schenker, Georg Katzer, Conrad Bauer, Matthias Jann, Bert Wrede, Max E. Keller und Ralf Hoyer.

Das Programm wurde erstmals in der Konzertreihe comPositionen am 4.5.1996 in Berlin uraufgeführt, weitere Aufführungen u.a. in der Langen Nacht der elektronischen Klänge des Kunsthauses FLORA sowie am Bauhaus Dessau in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Berlin. Sendung des Konzertmitschnittes auf Deutschlandradio Berlin, MDR-Kultur und DRS 2 (Schweiz).


ensemble p i a n o p l u s mit

Susanne Stelzenbach, Klavier
Conrad Bauer, Posaune
Johannes Bauer, Posaune
Matthias Jann, Posaune
Friedrich Schenker, Posaune
Bert Wrede, E-Gitarre
Ralf Hoyer, Tonregie und Live-Elektronik


ABLAUF



Erhard Grosskopf

Z-Faltung - Alle


Improvisation - J.Bauer, F.Schenker


Johannes Bauer

Nr.2 - Alle


Friedrich Schenker

Zeitgeist - J.Bauer, C.Bauer, M.Jann, F.Schenker


Georg Katzer

Dialog Imaginaire II - S.Stelzenbach


Conrad Bauer

Sitz und Aufstehstück - Alle


Matthias Jann

Prisma für Trombone & Tape - M.Jann


Improvisation - B.Wrede


Ralf Hoyer

2nd Jam Power - S.Stelzenbach, M.Jann, F.Schenker


Improvisation - J.Bauer, C.Bauer


Bert Wrede

Inciampare - Alle


Improvisation - C.Bauer


Max E. Keller

Les Pompiers - Alle



Unbestreitbarer Höhepunkt aber war die Performance des ensemble pianoplus... Eine wunderbar ernsthafte Einstimmung ist Erhard Großkopfs Z-FALTUNG, in dessen leuchtende Elektronikklänge sich Klavier, Gitarre und vier Posaunen sanft einfügen oder scharf dagegen aufbegehren. Wie Posaunen sich beschimpfen, stottern und unverschämt dreckige Glissandi absondern können. zeigt die Improvisation von Johannes Bauer und Friedrich Schenker, dessen Kreativität dann im Stück Zeitgeist explodiert. Zeitgeist...scheißt,? feist,? Streitgeist,? beißt Weltgeist, gluckst es in unbegrenzten Kombinationen aus den Posaunen. Max E. Keller greift solche Komik in les pompiers auf: Man kann sich vor Quarten nicht mehr retten. Doch wie etwa Conrad Bauer dem eine jazzig-exzessive Intervallstudie vorausschickt, Bert Wredes zwischen Jimi Hendrix und Carlos Santana liegende Gitarrenimprovisation mit einem Morsezeichen-Rhythmus auf die harten Klavierklänge (Susanne Stelzenbach) in Ralf Hoyers 2nd Jam Power einstimmt, erschließt auch sprödere Klangwelten. Zwischen wilden, chaotischen, splitterigen Klangattacken steht die ruhige Melodik von Matthias Janns Prisma für Posaune. So lebendig, erlebnisreich in ganz direkter Enthüllung ihrer Strukturen ist Neue Musik selten.

Isabel Herzfeld, DER TAGESSPIEGEL 7. Mai 1996